BMW vs Tesla

BMW vs Tesla

Seit Jahresbeginn gilt das Unternehmen von Elon Musk als der ultimative Überflieger an der Börse. Von fast 400 Euro je Aktie verdoppelte sich der Aktienkurs bis heute. Wie auch andere Unternehmen war Tesla stark von der Krise betroffen und der Aktienkurs halbierte sich zwischenzeitlich. Mitten in der Corona Krise im März 2020 hatte man eine gute Möglichkeit einzusteigen. Doch hinterher ist man immer schlauer. Sollte man jetzt noch in die Aktie einsteigen? Hat die Elektromobilität so eine Zukunft, dass man einer Aktie hinterher laufen soll? Ist das Unternehmen Tesla noch fair bewertet? Oder ist der einheimische Autobauer BMW eine bessere Alternative?

Wie schaut es denn allgemein mit der Elektromobilität aus?

Hier habe ich für euch ein paar Grafiken vorbereitet, die den Absatz von eAutos darstellen. Erstmals in Deutschland und dann weltweit.

Laut IHS Markit wurden im letzten Jahr die meisten Elektro- und Hybrid Fahrzeuge in Deutschland von den Marken der BMW Group verkauft.

Der weltweite Anteil der BMW Group in Hinsicht auf alle Antriebsarten liegt bei 3,5% und im Bereich Elektromobilität bei 7,7%. Ein klarer Vorreiter bei eMobilität weltweit ist Tesla mit einem Absatz von ca 24% der weltweit zugelassenen elektrifizierten Fahrzeugen. Mit insgesamt 34% haben die chinesischen Autobauer BYD, BAIC und SAIC bereits einen fetten Teil vom Kuchen.

China stellt den größten Absatzmarkt für Elektrofahrzeuge, gefolgt von den USA und dann Deutschland.

China gilt als das Nonplusultra, was die umweltfreundliche Mobilität betrifft. Wegen einer immer höheren Luftverschmutzung gewinnen alternative Antriebsformen zunehmend an Bedeutung. Die Elektromobilität ist quasi durch die Regierung angetrieben. Die Chinesische E-Auto-Quote ab dem Jahr 2019 muss zehn Prozent betragen und im Jahr 2020 zwölf Prozent. Dabei bevorzugen die Kunden in China eher einheimische Hersteller. Ausländische Autobauer sind weit abgeschlagen. Das könnte an den Zuschüssen für diese Autos liegen. Der Zuschuss wird nur gewährt, wenn die Fahrzeuge in China hergestellt werden.

Tussi’s Meinung und Gedanken: Stellt euch mal vor, dass unser Staat direkt einen Zuschuss geben würde, wenn wir ein Elektroauto kaufen. Und den Zuschuss gibts nur, wenn die Fabrik hier bei uns in Deutschland ist (Tesla hat meines Wissens nach keine einzige Fabrik in Europa und erhält Geld von den Staaten!). Gibts bei uns nicht. Unsere Regierung ist schlau darin, neue Steuern für die eigenen Bürger zu erfinden oder neue Auflagen für die eigenen Unternehmen. Anstatt die eigenen Bürger und Unternehmen zu pushen und strategisch langfristig zu fördern. Die deutsche Regierung könnte den Zugang zum Deutschen/Europäischen Markt erschweren und so gestalten, dass wir mehr davon profitieren. Auf die Idee von Förderungen kommen wir nur, wenn wir durch eine weltweite Finanzkrise dazu gezwungen werden. Und besonders lustig ist, dass die deutschen Hersteller davon nicht besonders profitierten (also die Arbeitsplätze in Deutschland) und es Umsatztechnisch nur ein Strohfeuer war. Dahinter steht und stand bis heute keine wirkliche Strategie, die eigenen Autobauer und heimischen Arbeitsplätze fördern würde.

China ist dagegen sehr schlau. Mit der Erfahrung einer mehreren tausend Jahren alten Hochkultur spielt es alle an die Wand. Ein Teil der Strategie ist sicher durch die Umwelteinflüsse entstanden. So wie es im Moment läuft, wird es zwangsläufig so aussehen, dass chinesische Autobauer den Markt von Elektroautos in Zukunft dominieren oder zumindest sehr sehr gute Voraussetzungen haben werden. Der Umsatz wird damit indirekt und direkt gepushed und führt dazu, dass chinesische Autobauer einen Vorsprung vor anderen erhalten. Ebenso sind die Hersteller aus dem Westen und Japan gezwungen, dass der chinesische Teil die Mehrheit am Unternehmen hält. Dazu erhalten die Chinesen natürlich auch eine Menge Know-How und Tradesecrets umsonst. So gesehen finde ich die Planwirtschaft richtig gut in diesem Fall. China ist brutal und spielt alle Länder aus. Wir erhalten nur Zugang zum chinesischen Automarkt wenn China die Mehrheit am Unternehmen hält. Export ist unmöglich, da die Zölle zu nicht wettbewerbsfähigen Preisen führen. Das Ausland bringt das Kapital und das Know-How. Und als schöner Nebeneffekt sind fast alle damit entstehenden Arbeitsplätze in China.

Elon Musk, Unternehmentum & Finanzen…

Jeder von uns hat schon von Tesla gehört. Zu den weniger bekannten Firmen von dem Herrn Musk gehören SolarCity Corp. und Space X, welche sich der Reihe nach mit Solarstromanlagen und der Raumfahrt- und Telekommunikation beschäftigen. Für all diese Firmen in Summe hat Herr Musk 5 Milliarden US-Dollar von der Regierung bekommen (Stand von 2015 bis heute). Darunter fallen zahlreiche steuerliche Ermässigungen, Zuschüsse, ermässigte Kredite etc. Im Jahr 2016 wurde SolarCity für 2,6 Mrd Dollar von Tesla übernommen. Nicht nur Tesla sondern auch damals SolarCity erwirtschafteten keinen Nettogewinn. Noch schlimmer, SolarCity stand vor der Übernahme kurz vor der Pleite. Über Space X ist man ungewiss, da das Unternehmen im Privatbesitz von Elon Musk ist. Zum heutigen Datum traut sich fast keiner mehr auszurechnen, wie viel Geld die Tesla Corp tatsächlich von der kalifornischen Regierung bekommen hat. Offensichtlich steht – die Steuergelder waren schon immer ein wichtiger Treibstoff für Tesla. Ausser betracht gelassen habe ich Zuschüsse direkt von den USA als Staat. Da ging sicher auch noch etwas. Ich habe nur die Zuschüsse direkt vom Bundesland Kalifornien betrachtet.

Während Herr Musk finanzielle Vorteile durch staatliche Unterstützung geniesst, müssen die Steuerzahler dafür die Kosten tragen.

Fundamental

Kommen wir an der Stelle zu einigen fundamentalen Kennzahlen von BMW und Tesla:

Die Rendite aufs Eigenkapital ist im Vergleich zu anderen Autobauern gar nicht mal so schlecht bei BMW. Das Eigenkapital ist branchenüblich (Tesla einmal aussen vor).

Offensichtlich ist, dass die finanziellen und operativen Kennzahlen der BMW Group in jeder Hinsicht deutlich stärker sind. Wie es aber so ist, am Wahnsinn der da Börse heisst, bedeutet das alles nichts. An der Börse wird Zukunft gehandelt. Die Gegenwart ist zu langweilig.

Tussi erklärt. Bemerkungen zum KGV

Um so niedriger das Kurs-Gewinn-Verhältnis, um so schneller und mehr verdient das Unternehmen Geld. Niedriger ist beim KGV grundsätzlich erstmal besser, was die Ausnahmen sein können zeige ich in einem späteren Beitrag.

KGV bedeutet: wieviel Euro muss ich für einen Euro Gewinn zahlen. Für die Automobilbranche sind normalerweise niedrige zweistellige KGV’s üblich. Das KGV liegt im Bereich 10 bis maximal 25. Die Branche ist konjunkturempfindlich und sehr kapitalintensiv. Die Branche wächst langsam. Hohe KGVs sind zu unsicher und sollten in der Branche nicht bezahlt werden.

Ein niedriges KGV ist nicht zwingend ein Kaufsignal. Genauso wie ein hohes KGV nicht zwingend bedeutet, daß das Unternehmen zu teuer ist. Viele Wachstumsunternehmen haben KGV’s auch in dreistelligem Bereich und können trotzdem eine gute Investition sein. Aber wie gesagt, in einem anderen Artikel ausführlicher und mehr dazu.

Rein rechnerisch muss der Tesla Aktionär jetzt über 300 Jahre warten bis sich seine Investition gerechnet hat. Ob er das überhaupt nocht erlebt? Der Aktionär in BMW sieht dagegen eine Amortisation seines Investments nach 16 Jahren.

Der Aktienkurs von Tesla ist damit Hoffnung, Zukunft und auch ein großer Teil heisse Luft. Der Aktienkurs ist von jeder fundamentalen Betrachtung losgelöst da ja eh kein Gewinn vorhanden ist. Hier wird nur Zukunft gehandelt. Eine Hoffnung, dass sich der Trend zum E-Auto durchsetzt und dabei Tesla ganz vorne dabei ist, treibt den Aktienkurs nach oben.

Die Technologie selbst ist dabei ziemlich umstritten. Auf der einen Seite sind E-Autos gut für die Umwelt. Auf der anderen Seite wird bei der Herstellung der dafür zwingend notwendigen Lithium Batterien soviel Umwelt zerstört, dass die Gesamtrechnung wohl eher dazu kommen müsste, dass E-Autos aktuell keinen Sinn machen. Auch hier wieder Zukunft. Wir zerstören die Umwelt heute für die Zukunft von Morgen.

Ein weiteres Problem ist die Reichweite der Batterien und relativ lange Ladezeiten. Ausserdem kosten eAutos in der Regel viel mehr als Fahrzeuge mit Kraftstoffverbrauch. In anderen Worten, ob sich der Trend weiter fortsetzt – ist nicht ganz klar und deshalb ist sicher ein klinzig kleines Risiko in der Tesla Aktie beim aktuellen Preis vorhanden. Grundsätzlich gilt: die Zukunft ist immer ungewiss. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Und hier kommt das Fazit

Meiner Meinung nach rechtfertigt aktuell Tesla seinen Aktienkurs nicht und ist für mich deutlich überbewertet. Ich persönlich würde mich eher bei BMW wohler fühlen und könnte ruhiger schlafen. Das heisst nicht, dass Tesla grundsätzlich ein schlechtes Unternehmen ist. Im Gegenteil: die Idee des Unternehmens ist hervorragend, die Autos sind optisch schön. Technisch kann ich aber nichts dazu sagen.

Zu einem guten Unternehmen, insbesonders für uns Eigentümer und Investoren, gehört allerdings nicht nur die Markenbildung und große Werbung und große Worte, sondern vor allem gute Einnahmen und eine solide Bilanz. Und ich habe die Einnahmen lieber heute als in über 300 Jahren.

Wie auch immer bei vielen gehypten Aktien ist der Aktienkurs auf viel Hoffnung aufgebaut, dass sich die Trends fortsetzen und das Unternehmen zu den Gewinnern gehört. Das ist aber alles andere als sicher. Die Zukunft ist für mich nicht so sicher in diesem Fall, dass ich für einen Euro Gewinn über 300 Euro zahlen würde.

Die „alten“ Unternehmen wie Volkswagen, Daimler und wie sie alle heissen verdienen schon heute Geld. Haben Fabriken weltweit. Haben eine weltweite und umfassende Händler, Werkstätten und Verkaufsinfratstruktur. Die Infrastruktur bei Tesla ist ein Witz verglichen zu BMW oder VW. Was glaubt Ihr, wird Tesla keine Konkurrenz in Zukunft haben? Oder werden sich die „alten“ Hersteller kräftig einmischen im Krieg um die Marktanteile? Ich will auch hier betonen, dass alles vom Preis/Kurs abhängt zu dem man kauft. Der Preis bei Tesla ist jedoch so hoch, dass ich nicht in der Lage und willens bin darüber zu spekulieren, was in 10 Jahren ist. Das ist mir zu unsicher. Bevor Tesla überhaupt eine Investmentidee für mich wäre, müsste die Aktie vom heutigen Preisniveau mindestens 80% fallen.

Quellen: ausser diversen Verlinkungen habe ich folgende Seiten recherchiert – Consorsbank, Marketwatch.com, Yahoo Finance.

Keine Anlageberatung, keine Gewahr für die Vollständigkeit und die Korrektheit der Angaben.

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