Herbsterwartungen 2020

Der Herbst 2020 wird spannend. Ich habe die folgenden Bedenken:

  • Saisonalität

Nach einem saisonalem Muster entwickeln sich die Aktienkurse angeblich im Spätsommer und frühen Herbst am schlechtesten. Zum Beispiel, der Mega Crash von 1929 passierte am 24.Oktober, die Weltfinanzkrise fing am 9.August 2007 an, mit dem Höhepunkt am 15.September 2008. Diese Annahmen, dass es saisonale Muster gibt, ist eher zufälliger als logischer Natur. Es gibt auch spektakuläre Crashmonate im Frühjahr wie z.B. beim Platzen der Dotcom Blase im März 2000.

Kaum eine dieser Studien berücksichtigt ausserdem Transaktionskosten und Steuern in den Berechnungen. Da die Märkte sehr effizient sind, sind solche simplen Strategien gerade im Internetzeitalter nichts Wert, falls es sie jemals gegeben hat. Wenn erst mal viele davon wissen und entsprechend investieren, ist es mit der Saisonalität vorbei, die man ausnützen könnte.

Dennoch möchte ich den Faktor der Saisonalität mal hier erwähnt haben, weil dieses Thema ab und zu mal mit dem Thema Börse angesprochen wird. Ich halte persönlich nichts davon.

  • US-Wahlen könnten massive Auswirkungen auf das Geschehen in der größten Wirtschaft der Welt haben. Die Spannungen zwischen China und den USA gehen in die nächste Runde. Jetzt schliesst man sich bereits gegenseitig Konsulate ohne wirklichen Grund.

Je nach Wahlergebnis könnten die Märkte unterschiedlich reagieren. So zum Beispiel könnte der Sieg von Joe Biden der Börse gar nicht so gut gefallen. Ebenso kann aber auch Trump dafür sorgen, dass es zu einem Kurszusammenbruch kommt. Trump machte gerade in der Corona-Krise alles andere als eine gute Figur.

  • Corona-Sorgen.

Schauen wir bitte die aktuelle Lage an. Vor allem sind die USA stark betroffen. Mitte Juli 2020 haben einige Bundesländer wie Florida und Texas inzwischen jeden Tag Rekordwerte an Coronainfektionen zu verzeichnen. Man hat das Gefühl, dass die USA das Thema nicht in den Griff bekommen. Hongkong und andere Länder haben bereits eine zweite Coronawelle, wenn man sich die Zahlen anschaut. Es kann sehr wahrscheinlich sein, dass der Herbst unausweichlich schlimm wird, weil wir die normale Grippe haben werden und Corona oben drauf.  Als das Corona Gespenst am Jahresanfang umging, dachten wir alle ja noch, der Sommer wird den Virus stoppen. Der Sommer scheint das Coronavirus jedoch nicht zu stoppen, siehe Texas & Afrika, Brasilien – überall explodieren die Zahlen der Neuinfizierten.

Was wird dann erst der Winter machen? Ich habe die Meldungen von den Fleischbetrieben in NRW noch genau vor meinem Auge, wo der Virus enorm schnell übertragen wurde und die Kälte im Fleischbetrieb die Infektionen begünstigt hat. Die letzten Tage im Juli ist auch in Deutschland der sogenannte Reproduktionswert über 1 gegangen (R-Wert / auch der 7 Tage Durcschnitt ist jetzt wieder über 1). Es steht somit fest: das Gesundheitsrisiko Covid-19 ist immer noch da. Im Sommer sind die Menschen mehr draussen. Das Immunsystem ist im Sommer viel stärker. Wenn es kälter wird, wird sich der Virus schneller verbreiten.  Die Menschen werden vermutlich leichter infiziert und der Krankheitsverlauf wird schlimmer als in den Sommermonaten. Die Wirtschaft hat bereits dauerhafte Schäden von der ersten Welle. Man kann sich vorstellen, zu welchen Schäden eine zweite Welle führen kann. Und diese Schäden werden auch mit Milliardenprogrammen nicht wieder repariert werden können. Weltweit sind bereits zehntausende Unternehmen pleite oder haben für immer die Pforten geschlossen. 

  • Die Stützprogramme der Regierung laufen aus. Es kommt eine Pleitewelle.

Auch jetzt sind viele Unternehmen in Deutschland bereits defacto pleite und hätten bereits Insolvenz anmelden müssen. Aber in einem unglaublichen Schritt der Regierung gibt es aktuell in Deutschland ein Moratorium. Erst im Herbst müssen diese Unternehmen Insolvenz anmelden. Das ist ein absolutes Unding, nie dagewesen und für jeden der mit Wirtschaft zu tun hat einfach unglaublich. Das zeigt wie schlimm die Krise wirklich ist.  Die Bundesregierung würde doch niemals solche Geschütze auffahren, wenn es nicht noch ganz schlimm werden wird. Die wissen vermutlich mehr, als sie zugeben wollen (und müssen so vorgehen, d.h. die Bevölkerung nicht vollständig informieren / sonst würde draussen bereits Chaos herrschen). Ein Geschäftsführer, Vorstand und Unternehmenschef kann im schlimmsten Fall wegen Insolvenzverschleppung ins Gefängnis gehen, wenn er nicht zeitig zum Amtsgericht geht und die Insolvenz für sein Unternehmen anmeldet. Und jetzt sagt der Deutsche Staat – auch wenn du pleite bist, es reicht, wenn du im Herbst Insolvenz anmeldest. Lasst es euch auf der Zunge zergehen – das COVID-Insolvenzgesetz/Moratorium.  Dass wir die Umsatzsteuer senken, ist auch so ein Anzeichen dafür. Es muss schon sehr weit kommen, gekommen sein, dass der Staat so die Umsatzsteuer senkt. Ich denke, es ist alles ein bisschen schlimmer, viel schlimmer, als wir es im Moment spüren. Die Börsenkurse spiegeln das aktuell noch nicht dar, meiner Meinung nach. Ich hab das Gefühl, die Börse feiert bereits Rekordumsätze und Rekordgewinne für die nächsten 5 Jahre. Was leider unmöglich sein wird was ich jetzt im nächsten Abschnitt näher erläutere.

  • Die reale Wirtschaft ist sehr schwach.

Die Realwirtschaft ist schwach, bleibt schwach und wird noch schwächer. Und sie bleibt länger schwächer, als wir es heute vielleicht annehmen. Die Konjunktur, die Weltproduktion verlangsamen sich weiter und es gibt keine „V“ artige Erholung. Als Folge bleibt der Welthandel die nächsten 2 oder vielleicht auch 5 Jahre schwach. Und damit einhergehend der ganze Rattenschwanz an Insolvenzen, Arbeitslosigkeit, platzenden Krediten, notleidenden Banken, schwächere Staaten, die vielleicht irgendwann auch noch gerettet werden müssen wegen der Coronakrise (gemeint sind hier die Staatsfinanzen).

Blackrock, Goldman Sachs, Bürgel, Vanguard – alle gehen von einer weiteren und sich verstärkenden Abkühlung der Konjunktur aus.  Die großen und auch kleinen Unternehmen stehen mit ihren Entlassungs- und Verschlankungsprogrammen erst am Anfang. Es wird vielleicht 5 Jahre dauern bis man die Kapazitäten der neuen Nachfragesituation angepasst hat. Einige Wirtschaftsbereiche bleiben für Jahrzehnte geschädigt und sehen vielleicht nie wieder die Umsatz- und Gewinnzahlen aus den Jahren 2018 und 2019.

Wenn ich die Presse und die Kommentare einiger Vorstände richtig deute, werden die Flugindustrie, die Hotelindustrie, die Reise- und Touristikbranche insgesamt, aber auch Tankstellenbetreiber und alles was da in dieser Kette drin ist, für immer Umsatz verlieren, der nicht wieder aufgeholt werden kann. Dieser Umsatz und Gewinn sind einfach verschwunden und bleibt für immer verschwunden. Homeoffice, Meetings per Webkonferenz bedeuten weniger Flüge, weniger Verkehr auf den Autobahnen, weniger Benzin, weniger Flugzeuge, weniger Spesenrechnungen, weniger Hotelübernachtungen, weniger Personal, das morgens das Frühstück im Hotel zubereiten muss und so weiter.

  • Das Inflationsgespenst geht um.

Es wurde zu viel Geld gedruckt. Die Waren und Güterpreise könnten dadurch stark steigen. Die Geldpolitik der Zentralbanken ist weiterhin expansiv, da Corona auf mehrere Jahre hinaus nicht in den Griff zu kriegen ist und die Schäden in der Wirtschaft (Arbeitslosigkeit, Pleiten usw.) sehr viel Geld kosten. Die Notenbanken drucken weiterhin Geld, was bleibt auch anderes übrig, um den Banken und dem Finanzsystem Geld und Liquidität zu Verfügung zu stellen.

Die expansive Geldpolitik führt zu Inflation und die Inflation wird über kurz oder lang auch steigende Zinsen bedeuten. Und steigende Zinsen sind das sprichwörtliche Gift für die Finanzmärkte. Steigende Zinsen werden zu fallenden Preisen in allen Anlageklassen führen. 

Da Investoren jetzt eine höhere Rendite für „risikolose“ Anlagen erhalten, werden alle Anlageklassen im Preis fallen. Nichts bleibt verschont. Gemälde, Immobilien, Aktien, direkte Unternehmensbeteiligungen, Anleihen usw. Genau die fallenden Zinsen waren ja mehr oder weniger der Haupttreiber für die sehr guten, überdurchschnittlichen Renditen in den meisten Anlagemärkten der letzten Jahre. 

In Deutschland sind wir in einer guten Position als Bürger und Menschen. Wir haben relativ wenig Schulden. Wenn Deutschland die Hand aufhält, erhalten wir 100 Milliarden zu billigsten Konditionen an den Finanzmärkten. Oder auch 500 Milliarden oder auch 2000 Milliarden erhalten wir sehr billig an den Kreditmärkten, wenn es sein muss. Das heisst Deutschland als Staat wird diese Krise besser meistern als viele andere Länder. Wir finanzieren uns notfalls über Pump durch die Krise und sind danach wieder da und können durchstarten. Andere Länder haben da leider keine so gute Ausgansposition. Aber natürlich werden die Finanzmärkte diese Entwicklungen anders sehen und ich gehe da von fallenden Kursen für die Aktienmärkte weltweit aus.

Tussi’s Lösung: das Pulver im gewissen Maße noch trocken halten und eher Substanzwerte für eine Investition in Betracht ziehen. Darunter sind solide Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen, welche auch in der Krise Geld verdienen können. Ich werde für die nächste Zeit meinen Cashanteil im Depot erhöhen.

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