Ich bin eine Billionärin

Twenty billion dollars of Zimbabwe – was für eine spektakuläre Zahl! Wie können solche Summen auf einen Geldschein kommen? Die Antwort lautet Hyperinflation.

Ich bin eine Billionärin! – schön wär’s! Diese Währung ist schon längst denominiert und sogar damals hatten diese 20 Billionen kaum am Wert.

Es gibt keine allgemeine Definition, was Hyperinflation ist. Es wird angenommen, dass unter diesem Begriff eine Geldentwertung von mehr als 50% jährlicher Inflationsrate verstanden wird.

Eine optimale Inflation sollte laut Europäischer Zentralbank bei knapp 2% liegen – für die EZB ist das dann Geldwertstabilität. Das bedeutet, dass deine 100 Euro in einem Jahr nur noch Waren im Wert von 98 Euro kaufen können. Eine leichte Inflation wirkt gut auf die Wirtschaft, weil die Konsumenten ihr Geld wegen der erwarteten Wertminderung loswerden.

Bei einer schweren oder sogar Hyperinflation verbilligt sich das Geld blitzschnell und verliert an seiner Wertaufbewahrungsfunktion.

In Deutschland gab es nach dem ersten Weltkrieg eine extreme Hyperinflation. Die Geldmenge vermehrte sich bereits vor Beginn des Krieges rapide. Die deutsche Bevölkerung tauschte immer mehr Geldscheine gegen Gold, bis die Golddeckung im Juni 1914 durch das Kaiserreich eingestellt wurde. Nur ein Drittel des Geldumlaufes wurde durch Gold gedeckt. Somit wurden mit dieser Maßnahme die staatlichen Vorräte gesichert. Es wurden sogenannte Darlehenskassenscheine ins Leben gerufen, die als Zahlungsmittel bei allen Staatskassen akzeptiert wurden. Die Gesamtgeldmenge verfünffachte sich während des Krieges. Die Kriegsmobilisierung kostete sehr viel Geld, was einfach gedruckt wurde.

Nach der Niederlage im Jahr 1918 wurde der Versailler Vertrag geschlossen. Durch den Vertrag verlor das Deutsche Reiche ein Siebtel seines Territoriums und wurde zu drakonischen Reparationszahlungen verpflichtet. Insgesamt wurden bis zum Jahr 1932 ca. 25 Mrd Goldmark an die Entente-Staaten als Wiedergutmachung gezahlt.

Als Folge der Reparationszahlungen war die Weimarer Republik pleite. Um die Staatsschulden zu beseitigen wurden drastische Mengen Geld gedruckt hinter denen schon lange kein materieller Gegenwert lag. Das Geld verlor so schnell an Wert, dass man es sofort ausgeben musste um dafür überhaupt noch etwas zu bekommen. Die Preise von Waren und Dienstleistungen veränderten sich im Stundentakt in der Hochphase der Inflation.

Wenn man im Juni 1923 für einen Dollar ca 100.000 Mark bekommen konnte, lag der Wechselkurs für einen Dollar im Dezember schon bei über 4 Billionen Reichsmark (hier werden auch europäische Billionen mit 12 Nullen gemeint und keine amerikanischen mit 9 Nullen).

Einen ultimativen Inflationsrekord erlebte man in Simbabwe im November 2008, als die jährliche Inflationsrate sagenhafte 79.600.000.000% betrug. Das entspricht einer Tagesinflation von 98%. In anderen Worten, heute kauft man einen Liter Milch für 1 Dollar und morgen zahlst du bereits 2 Dollar für deinen Liter Milch. 

Jede Hyperinflation ist durch massives Gelddrucken verursacht. So auch in Simbabwe.

Das arme afrikanische Land Simbabwe litt unter einer hohen Arbeitslosigkeit (bis zu 94% der Bevölkerung waren arbeitslos am Hochpunkt der Inflation). Die Staatsverschuldung war sehr hoch, die Exporte brachen zusammen und es herrschte allgemeines Chaos. Der Staat versuchte durch Preiskontrollen die Lage zu verbessern, was natürlich nicht gelang und den Engpass an Nahrung, Medikamenten und Waren aller Art nur verschärfte.

Die korrupte Regierung des Präsidenten Robert Mugabe hatte international kein Vertrauen. Ausländische Investoren trauten sich nicht in Simbabwe zu investieren. Auch die eigene Bevölkerung traute Ihrer Regierung nicht.

Zwischen den Jahren 2000 bis 2008 ging das BIP von ca 970 USD auf 550 USD zurück, das entspricht einem Rückgang von 40%. Im Vergleich wuchs das BIP in Deutschland in den jeweiligen Jahren von ca 26.000 Euro auf ca 31.000 Euro pro Kopf.

Jeder Einwohner von Simbabwe war ein armer Billionär, der sich nichts leisten konnte – die Preise stiegen deutlich schneller als die Löhne und Einkommen. Ein Billionen Gehalt bringt nichts, wenn man für das Brot 2 Billionen ausgeben muss und das gleiche Brot dann zwei Tage später schon 6 Billionen kostet.

Wie immer in der großen Inflation müssen die Menschen zu einer Tauschwirtschaft übergehen, da das Geld diese Funktion verloren hat. 1 Schachtel Zigaretten für einen Haarschnitt. Da das Land sehr arm war, und leider bis heute noch ist, verfügten die Menschen kaum über Tauschmittel. Der US Dollar wurde im Jahr 2009 als offizielle Währung eingeführt.

Der Simbabwe Dollar verlor den letzten Schimmer an Vertrauen und Glaubwürdigkeit und wurde bis zum April 2009 vollständig denominiert.

Durch die Einführung des US-Dollars konnte man die Gesamtwirtschaft des Landes stabilisieren. Es gab mehr Transparenz und Sicherheit im Finanzsystem. Dennoch war das Leben nicht einfacher. Es gab eine extrem hohe Verzinsung und es war nach wie vor schwierig Artikel des täglichen Bedarfs zu kaufen. Man versuchte wieder eine Tauschwirtschaft zu betreiben, in dem Süßigkeiten, südafrikanische Münzen und sogar Kondome als Tauschmittel benutzt wurden.

Bis zum Jahr 2014 gab es weitere Fremdwährungen, die eine breite Verwendung in Simbabwe fanden: botsuanischer Pula, britischer Pfund Sterling, australischer Dollar, chinesischer Yuan, indische Rupie und der japanische Yen waren beliebtes Zahlungsmittel.

Im Jahr 2019 wurde wieder ein simbabwischer Dollar angekündigt und zwar in zwei Formen. Erstens im Form eines Schuldscheines (Bond Notes) und zweitens als RTGS- Dollar. Die letzte Form steht für Real-time gross settlement (Echtzeit-Bruttoabwicklungssystem). Sie werden überwiegend für Großbetragszahlungen eingesetzt.

Laut den aktuellen Angaben des deutschen auswärtigen Amtes gibt’s zur Zeit noch keine Banknoten und Münzen für den Simbabwe Dollar. Es besteht nach wie vor eine große Unsicherheit bezüglich des Zahlungsverkehrs und ein Mangel an Bargeld.

In dem guten Sinne hoffen wir doch, dass es in Zukunft weniger Billionäre in Simbabwe geben wird und dass das Land endlich eine stabile Währung und bessere Zukunft hat.

Quellen: Auswärtiges Amt, Reparationen, Zimbabwe Ends Decade of Dollarization in New Currency Reform, Hyper Inflation in Zimbabwe, Economy of Zimbabwe, Corruption in Zimbabwe, Simbabwe: Bruttoinlandsprodukt (BIP).

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