IPO-Manie 2020

IPO

Ein Börsengang ist ein wichtiges Ereignis für ein Unternehmen (auch als IPO – Initial Public Offering bezeichnet).

Warum geht ein Unternehmen an die Börse?

Durch einen Börsengang oder Herausgabe neuer Aktien verschafft sich ein Unternehmen frisches Kapital von den Anlegern, wodurch es seine Geschäfte weiter ausbauen kann oder zum Beispiel Kredite abzulösen sowie das Eigenkapital stärken kann, um eine bessere Bonität zu erlangen. Das eingenommene Geld erscheint in der Bilanz als kurzfristiges Vermögen. Es gibt tausende Möglichkeiten wie ein Unternehmen das Geld nutzen kann, unter anderem auch für Investitionen in Forschung und Entwicklung oder neue Mitarbeiter. So sagt und beschreibt es die Theorie der Börsengänge. 

Wie wird der Emissionskurs festgelegt?

Vor der Aktienherausgabe wird eine Unternehmensbewertung durchgeführt. Das ermittelte Eigenkapital wird durch die Anzahl der Aktien geteilt. Das ist dann der Nennwert einer Aktie. Bei der Erstnotiz wird an die Anleger ein anderer Kurs gestellt, der in der Regel viel höher ist, der sogenannte Emissionskurs. Der Emissionskurs wird von dem Unternehmen und den Börsengang begleitenden Banken festgelegt. Die Banken ermitteln Monate vor dem Börsengang in Roadshows und Gesprächen mit potenziellen Investoren, was der Markt zu zahlen bereit ist. Das Management und die Alteigentümer haben natürlich ebenso eine genaue Vorstellung darüber, was man beim IPO erlösen will. Das gesamte Volumen, resultierend aus Emissionspreis x Emissionsvolumen fließt dem Unternehmen zu. So die Theorie. In der Praxis sieht es meistens jedoch so aus, dass die neuen Eigentümer bei der Erstnotiz die Aktien von den alten Eigentümern abkaufen und dem Unternehmen oft nur 40%, 50% oder 60% vom Emissionsvolumen bleibt, weil die Alteigentümer beim Börsengang Kasse machen oder weil zum Beispiel Altschulden durch die Emission beglichen werden. 

Die weiteren Aktienkurse des Unternehmens werden dann, wie es auch anders sein, durch das Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt.

Die Anzahl der IPO’s ist ein Indikator für das aktuelle Kapitalmarktklima und die aktuelle Stimmung der Anleger. Es gibt sehr viele individuelle Kriterien, die ein Unternehmen erfüllen muss, damit der Börsengang erfolgreich wird: die Markstellung des Unternehmens, die Umsatz & Gewinnhistorie der letzten Jahre und die Zukunftserwartungen. Eine allgemein positive Aufnahmefähigkeit und Stimmung des Kapitalmarktes erleichtert den Gang auf das Börsenparkett erheblich. Nur in der Jubelstimmung einer jahrelangen Hausse kann man Unternehmen an die Börse bringen, die sogar Verluste erwirtschaften und auf Jahre hinaus keine nennenswerten Gewinne schreiben werden. Genauso wie man ein Haus, das man verkaufen will, neu streicht, wird auch das Unternehmen aufgehübscht, um einen höheren Preis zu erzielen. Es wird eine tolle Story gestrickt, es werden Roadshows mit Großinvestoren geplant, die Presse wird mit Pressemappen und vorgefertigten Texten versorgt, die nur noch kopiert werden müssen. 

Die größten IPO’s 2020 (Mrd in EU-Art)

Soll man in IPO’s investieren?

Auch hier gibt’s unterschiedliche Meinungen. Pro-Vertreter argumentieren, dass man mit einer potenziellen neuen Superaktie / Superunternehmen a la „Microsoft“ oder „Google“ Aktie eine einmalige Gelegenheit zum Einstieg erhält. Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit dabei, dass man eine neue Microsoft Aktie beim IPO entdeckt, ist sehr gering. Die meisten IPO’s haben einen viel zu höheren Preis und rechtfertigen in den nächsten Jahren die Erwartungen der Anleger nicht. Kein Alteigentümer hat ein Interesse daran, sein Unternehmen billig zu verkaufen. Es ist genau umgekehrt. Es wird alles unternommen, um das höchstmögliche Emissionsvolumen und den höchsten Preis zu erzielen. Kein Alteigentümer und keine begleitende Bank wird eine schlechte oder zweifelhafte Story darstellen. Ganz im Gegenteil. Die Erwartungen des Unternehmens werden den Himmel in Richtung Weltall durchdringen und die neuen Aktionäre können einfach reich werden. So sagt es zumindest die Werbung beim Börsengang.

Wir blicken ein Jahr zurück, ins Jahr 2019, als ein Unternehmen mit einer breiten Marktstellung bei seinem Börsendebüt ein Fiasko erlitten hat. Das Unternehmen ist die Auto und Mobilitätsplattform UBER. Im Vorfeld der UBER Emission war die Rede von einem Ausgabepreis bei $60-65 zu dem die Anleger zeichnen sollten. Am ersten Handelstag fiel der Aktienkurs auf $45. Die skeptischen Stimmen, was Uber wirklich Wert ist, brachten auch eine Welle von Leerverkäufen mit sich. Und wenn der Start erstmal vermasselt ist, fällt es schwer, es wieder gut zu machen. Aktuell liegt der Kurs einer Uber-Aktie bei ca $35. Die börsenbegleitenden Banken betreiben insbesonders in den ersten Tagen nach dem Börsengang die sogenannte „Kurspflege“. Zur Not werden durch die Bank ein paar Millionen oder hunderttausend Aktien gekauft um den Kurs nach oben zu „pflegen“. 

Meinungen von den bekannten Star-Investoren

„It’s almost a mathematical impossibility to imagine that, out of the thousands of things for sale on a given day, the most attractively priced is the one being sold by a knowledgeable seller (company insiders) to a less-knowledgeable buyer (investors).“

Warren Buffett

Das Management eines Unternehmens, welches gerade an die Börse geht, kennt sich mit seiner Firma (bzw. man geht davon aus) sehr gut aus und weiss als Insider selbstverständlich, was der echte Wert ist. Das weiss auch darüber Bescheid, was nicht in den Bilanzen steht und worüber in den Medien nicht berichtet wird. Die Investoren und neuen Eigentümer des Unternehmens sind Outsiders, sofern sie nicht in der Branche arbeiten oder sich auf anderen Wegen erhebliches Wissen über das Unternehmen aneignen konnten.

Sie können Geschäftsberichte lesen, Bilanzen anschauen, Analysten Meinungen ansehen, Nachrichten bezüglich des Unternehmens nachverfolgen. Was sie nicht können, ist die Situation wie ein Insider einzuschätzen. Angesichts dessen, ist es undenkbar und unlogisch, dass das Management bewusst die Aktien unterbewertet anbieten wird. Warren Buffett als auch sein Partner Carl Munger sagen, dass es unvorstellbar ist, dass ein Unternehmen seine Anteile zu einem niedrigen Preis verkaufen wird.

Widerspricht Warren Buffett sich selbst?

Obwohl sich Buffett’s Berkshire Hathaway an dem Börsengang von Snowflake (September 2020, IPO-Preis $120) beteiligt hat und damit rund 800 Millionen Dollar verdient hat ist das jetzt kein Widerspruch.

Der Grund dafür ist, dass die Snowflake Position von seinen Managern Todd Combs und Ted Weschler durchgeführt wurde und in Relation mit Buffett’s Gesamtportfolio sehr klein ist. Angeblich hat Warren Buffet nur ein einziges Mal tatsächlich bei einem IPO als Investor Aktien gekauft. Es gibt Gerüchte, dass Buffett die Ford Aktie beim Ford IPO im Jahr 1956 gezeichnet hat. 

Laut Buffett’s Meinung steigen Investoren ein, weil sie schnell an einem Hype profitieren wollen. Der Hype bei jedem Börsengang und das Motto „Schnell reich werden“ ist leider kein Prinzip für einen langfristigen und soliden Vermögensaufbau. Daher verbrennen sich die meisten die Finger mit IPOs.

„I mean, the idea, that somebody is bringing something to market today, a seller who has a choice of when to come to market, and that that security, where there’s going to be a lot of hoopla connected with it, is going to be the single cheapest thing to buy out of thousands and thousands and thousands of businesses in the world is nonsense, you know,”

Warren Buffett

Ein anderer berüchtigter Star-Investor Carl Icahn beteiligte sich an einem Start-Up Unternehmen namens Lyft, deren direkter Wettbewerber Uber ist. Insgesamt hatte Herr Icahn 100 Millionen Dollar in Lyft im Jahr 2015 investiert. Als es feststand, dass Lyft in 2019 an die Börse gehen wird, hat Carl Icahn seine Anteile in Höhe von 2,7% vollständig verkauft (IPO-Kurs $80, aktueller Kurs $24).

IPO’s Anzahl in der stärksten Wirtschaft der Welt

Anzahl der Börsengänge in den USA 1999-2019

Auffallend auf diesem Bild ist das Jahr 1999, kurz bevor Dotcom oder auch New-Economy-Blase.

In dem Jahr 2020 beträgt die Anzahl von Börsendebüts zum heutigen Zeitpunk 344, was schon jetzt eine große Zahl ist.

Wenn wir den Bezug zurück auf Deutschland und Deutsche Aktien IPOs nehmen, werden wir bestimmt an die Deutsche Telekom Aktie und den IPO der Deutschen Telekom denken. In der Jubelstimmung im März 2000 schoss die Aktie bis auf den Rekordwert von 103,50 Euro hoch. 

Heute steht die Aktie bei 13 Euro! Die Deutsche Telekom wurde von hunderten Kleinanlegern verklagt, die sich durch die breit angelegte Werbung für den Börsengang getäuscht fühlten. Die Telekom Aktie wurde für den IPO als Volksaktie vermarktet. Erwähnenswert beim Börsengang der Deutschen Telekom war, das der Eigentümer die Bundesrepublik war. Die Anteile an der Deutschen Telekom lagen vor dem Börsengang zu 100% beim Bund. Alleine an dem Beispiel sieht man, wie sich die Investoren verspekuliert haben und vor lauter Gier jegliche fundamentalen Daten zu der Aktie nicht mehr beachtet haben. Heute ist der Hype um Tesla vergleichbar mit dem Hype um die Deutsche Telekom und anderen Aktien aus der New Economy Ära, deren Kurs eigentlich nur wegen der Vergötterung um Elon Musk und dem Hype um das Thema Elektroauto steigt und schon lange nichts mehr mit den fundamentalen Daten der Tesla Aktie zu tun hat. Die Unternehmen, die an die Börse gehen wollen, nutzen natürlich das allgemeine Delirium der Anleger. Weil sie gierig sind und von den unüberlegten Handlungen der Investoren profitieren wollen.

P.S.

Eine langfristige Investition in ausgewählte Einzelaktien und marktbreite, günstige Index ETF oder Fonds stellt entgegen der allgemeinen Meinung kein Glücksspiel und Zocken dar. Damit meine ich ausdrücklich Aktien, die man nicht bei einem IPO kauft. Phantasie und Storyunternehmen haben schon eher etwas mit Glücksspiel zu tun.Das hier ist keine Anlageberatung, sondern eine persönliche Meinung der Investment Tussi.

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