Medien & Investing

Die Globalisierung und die zunehmende Digitalisierung der Welt führen zu einer Informationsnflut, bei der man als Anleger nicht mehr weiss, welche Online-News und Artikel vertrauenswürdig oder eben fragwürdig sind. Ein Zusammenhang zwischen den Medienberichten und den Bewegungen der Aktienkurse ist heutzutage offensichtlich. Die Medien können selten einen Trend auslösen oder einen Crash herbeirufen. Die Medien können bestehende Trends verstärken. Sehr gerne verlassen sich viele Anleger auf leicht zugängliche und leicht verständliche medial aufbereitete Inhalte. Wie zum Beispiel Artikel in den populären Wirtschaftszeitungen und Internet Plattformen. In Deutschland sind wahrscheinlich das Handelsblatt, FAZ, Finanzen.net, Spiegel, Bild, Stern, Börse ARD, onvista, Boerse.de, Börse Online und viele andere den Anlegern ein Begriff.

Finanzjournalismus

Wer regelmässig Finanzartikel und Nachrichten nicht nur auf Deutsch sondern auch in der Ursprungssprache liest, merkt früher oder später, dass einiges nicht mit den Ursprungsquellen übereinstimmt, was die Inhalte angeht.

Journalismus ist ein sogenannter „Tätigkeitsberuf“. Das bedeutet, wer bei der Presse oder den Online Medien arbeitet, darf sich auch so nennen. Die Berufsbezeichnung ist somit nicht geschützt. Viele Finanzartikel stammen von Journalisten, die meistens ein Journalismus, Politik oder Philosophie Studium abgeschlossen haben. Manch einer hat auch Biologie oder Geschichte gelernt. In den allerseltensten Fällen haben die Journalisten eine fundierte Grundlage mit einem wirtschaftswissenschaftlichem Studium. Selbst in den bekannteren Redaktionen arbeiten im Ressort Wirtschaft kaum Leute die VWL oder BWL studiert haben. Dort schreiben also Leute über Dinge die sie zum grössten Teil nie gelernt haben. Es kann ab und zu auch vorkommen, dass die Inhalte aus dem Englischen nicht einmal korrekt übersetzt werden und im Verlauf dieser falschen Übersetzung sich dann ein anderer, falscher, Zusammenhang ergibt. Vorallem bei den komplizierteren Bedeutungen im Finanzbereich ist es nicht ganz einfach eine korrekte Übersetzung auf Deutsch zu finden. Was ist ein Goodwill oder Minority Interest Expense auf Deutsch?

Up-to-date bleiben?

Auf der anderen Seite beeinflussen uns als Anleger die allgemeinen News. Wie entwickelt sich die Corona Krise und was hat sich der arabische Scheich überlegt, was die Ölpreise betrifft? In einem gewissen Maße sind das schon relevante Informationen. Wer aber ein langfristiger Anleger ist der sich bei einem solidem Unternehmen zu einem angemessen Preis beteiligt wird keine Mehrrendite dadurch erzielen, dass er immer up to date mit den Nachrichten ist. P&G, Nestle, Colgate-Palmolive, Unilever, Johnson&Johnson, L’Oreal sind dermaßen in unserem Alltagsleben integriert, dass man sich kaum vorstellen kann, dass eines dieser Unternehmen in den nächsten 10 Jahren aufhören wird zu existieren und von der Börse verschwindet.

Um Erfolg an der Börse zu haben, muss man nicht zwangsläufig alle Nachrichten jeden Tag abchecken und sich davon verrückt machen lassen. Ganz im Gegenteil. Es kann sogar gefährlichsein, sich auf die Meinung des Mainstream-Journalismus zu verlassen oder den Ökonomen und Analysten und deren Ratings zum Kauf oder Verkauf einer Aktie zu folgen. Wenn man bei Brokern und Finanzplattformen auf das Rating einer Aktie schaut, stellt man fest, dass dort eine Durchschnittsberechnung der Vergangenheit berechnet wird. Wie der Trend war und ob die Aktie in der letzten Zeit gestiegen ist. Dann steht das Lämpchen auf grün. Die Trendstärke und die letzte Entwicklung einer Aktie sind aber auf keinen Fall ein Indikator dafür, dass die Aktie kaufenswertist! Die Schätzungen für die zukünftigen Gewinne und Umsätze der Unternehmen sind zu oft falsch und übertrieben, als das man sich auf sie verlassen kann. Ich kann mich immer noch sehr gut daran erinnern, wie bei meiner Consorsbank die Wirecard Aktie von den Analysten heraufgestuft wurde und das Kursziel bei über 200€ stand. Nur die Financial Times hatte sehr frühzeitig erhebliche Bedenken gegenüber Wirecard geäußert. Die Journalisten in der Financial Times haben fast alle zuerst einen wirtschaftswissenschaftlichen und Business Hintergrund und sind dann in zweiter Linie ein Reporter. Sie haben Wirtschaft gelernt und keine Biologie. Die frühe Kritik der Financial Times zeigt auch das die wirklich Ahnung haben. Sogar Titel wie eine FAZ oder ein Handelsblatt etc .betreiben oft nur Copy-Paste-Translate-Journalismus ohne eigene und echte Analysen und Berechnungen zu erstellen. Wie denn auch, sie haben nicht einmal das Personal mit dem entsprechenden Wissen um diese Analysen zu machen.

In einer Zeitung wie der Financial Times sieht man auch wie emotionsloser und objektiver Wirtschaftsjournalismus aussehen muss. Dort wird nie gehyped und dort wird ebenso nie der Weltuntergang beschworen. Zu meinen vertrauenswürdigen Medien gehören ausser der Financial Times auch Barrons, Economist, Reuters, Bloomberg, Standard&Poors. Was die Geschäftsberichte und Bilanzen der US-Unternehmen angeht, hat sich bei mir auch das Plattform The Wall Street Journal sehr gut etabliert.

Das Wall Street Journal ist auf einem anderen und sehr hohem Niveau. Bloomberg und Reuters sind reine Nachrichten Magazine mit eigenen Redaktionen, von denen ein Handelsblatt oder eine FAZ abschreibt und Copy-Paste-Journalismus betreibt. Die anderen wie der Economist oder Barrons sind mehr auf das Thema Finanzen und Investing spezialisiert und bringen ihre Meinung mit sehr viel Hintergrundwissen, was den meisten fehlt, zum Ausdruck. Reuters und Bloomberg sind echte Wirtschaftsredaktionen, die vergleichbar mit einer dpa im Bereich News sind. In Deutschland gibt es nichts vergleichbares, die vwd ist zu klein und nicht weltumspannend. Eine FAZ oder ein Handelsblatt hat keine Wirtschaftsexperten auf der ganzen Welt mit der Expertise und der Manpower wie bei Reuters und Bloomberg.

Manipulierte Analysen…

Die Ratings der Broker sind meistens falsch. Sie sind so oft falsch, dass es besser ist ganz auf diese Ratings zu verzichten und eine eigene Analyse zu machen. Es wird zum Kauf einer Aktie geraten und es werden 5 Sterne angezeigt, auch wenn die Aktie bereits hoffnungslos überbewertet ist. Wenn die Aktie dann um 50% im Kurs gefallen ist, werden die 5 Sterne auf 2 Sterne geändert und die Aktie von Kaufen auf verkaufen oder neutral abgestuft, im Nachhinein versteht sich. Fast nie geben die Analysten vorher und zuverlässig eine Kauf oder Verkaufsempfehlung ab. Mit der Frage was Analystenmeinungen wert sind haben sich auch diverse Studien beschäftigt. Dutzende von Studien zeigen, dass die ganzen Broker Sternchen und Vorhersagen meistens daneben liegen. Wer danach investiert, macht eine deutlich schlechtere Rendite, als wenn man einfach den Index kaufen würde! Wenn ich hier über die Analysten schreibe dann gilt das auch für die entsprechenden Börsenmagazine. Auch die Börsenmagazine verhalten sich ähnlich und haben meistens keine eigene Analysten, sondern schreiben nur ab und geben die Meinung von anderen wieder, deren Meinung in der Regel falsch ist. Und genau das macht es für den Anfänger so unglaublich schwer zu verstehen. Genau die Presse und die Ratings sorgen dafür, dass ein unerfahrener Anleger eine sehr schlechte Rendite haben wird.

Wissen die Anfänger, dass die meisten Ratings von Broker/Banken bezahlt sind und keine echten Analysen sind? Eine Bank und ein Broker nehmen eine Aktie ins sogenannte Coverage, wenn die Geld von dem Unternehmen erhalten oder Aufträge erhalten für eine Neuemission von Aktien oder Anleihen. Dieser lustige Zusammenhang ist auch ein Grund dafür, dass es kaum Aktienanalysen über die Berkshire Hathaway von Warren E. Buffett gab bzw. über Jahrzehnte sehr, sehr wenige Analysten die Berkshire im Coverage hatten. Die meisten Zeitungen/Webseiten machen nicht einmal eine Analyse, es wird eine laute und aufmerksamkeitsstarke Überschrift wie bei einer Boulevard Presse geschrieben, aus der man zum Schluss kommen könnte, dass die Aktie kaufenswert ist, und das nur weil der Kurs in den letzten 6 Monate gestiegen ist. Es gibt keine Analyse des Unternehmens, der Bewertung, des Marktes, in dem das Unternehmen agiert oder eine detaillierte Analyse der Wettbewerber, bei der man dann am Schluß auch die Bewertungen der Aktien miteinander vergleicht. Das ist nicht die Aufgabe dieser Zeitungen und Webseiten. Die Aufgabe ist es Leser und „Augen“ zu generieren. Ob man als Anleger damit Geld verdient ist diesen Journalisten im Grunde genommen egal. Sie werden dafür bezahlt, dass sie die Auflage der Zeitung oder die Reichweite der Webseite steigern. Das ist ihr Job. Oder es wird geschrieben „Tesla ist das wertvollste Unternehmen der Welt“ und daraus wird eine Story gemacht, aus der man schliessen könnte, dass die Aktie auch jetzt noch ein Kauf ist. In Wahrheit ist der ganze Zeitungsartikel nur Müll und in der Regel muss man ja fast das Gegenteil von dem machen, was da steht. Eine Zeitung und die Maße der Anleger springt immer erst ziemlich am Schluss auf den fahrenden Zug auf. Zum Schluss einer Hausse in einem Markt oder Segment wollen dann auch die Banken noch ein mal mitverdienen am Hype und sind natürlich auch daran interessiert den Hype am Leben zu halten, um Ihre Produkte zu verkaufen. Aktuell wäre das z.B. der Bereich Elektroautos, Grün, Internet, Biotechnologie oder andere Modethemen. Und ausgerechnet dann, wenn auch der letzte Kleinanleger mit an Bord ist, ist der Hochpunkt eines Trends erreicht.

Auch die bekannten Großbanken wie Merrill Lynch waren schon in handfesten Betrügereien und Manipulationen involviert. Einer der bekanntenteren Skandale ist der Skandal mit Henry Blogdet, der eine Position als erster Vizepräsident, Managing Direktor und Senior Research Analyst besetzte. Im Jahr 2002 wurden eMails von ihm veröffentlicht, aus denen herauskam, dass Herr Blogdet Aktien zum Kauf empfohlen hatte und den Aktien das bestmögliche Rating verliehen hat. Zur selben Zeit nannte Herr Blodget diese Unternehmen in eMails mit Kollegen „piece of shit“ und“powder keg“ („Stück Scheisse“ und „Pulverfass“). Er wusste genau, dass diese Unternehmen fast nichts wert sind. Seine eigene Brieftasche war ihm näher als tausende von Lesern und Anlegern, die entsprechende Analysen ernst nehmen und tatsächlich das kaufen oder verkaufen, was ein Analyst empfiehlt.

Und wie ist die Lösung?

Am besten macht man es so wie Warren Buffett. Man liest nur die Geschäftsberichte und Branchenmagazine. Wer dann noch Zeit hat, liest echte Wirtschaftsnews und Artikel aus den entsprechenden seriösen Redaktionen. Buffett liest keinen einzigen Report von irgendeinem Analyst. Wenn Buffett Börsenfernsehen schaut, dann dreht er den Ton immer aus. Ihn interessieren nur die Aktienkurse.

ODER

Man muss sich eingestehen, dass man von der Börse nicht genug Ahnung oder Zeit hat und kauft einfach nur die günstigsten Indexfonds oder Index ETF. Das ist absolut nichts verwerfliches. Wenn der Anfänger wüsste das auch über 90% aller Vollprofis nicht einmal so etwas vermeintlich simples wie die Rendite eines DAX Index langfristig übertreffen können. Wir Anleger sollten uns im Klaren sein, dass fast 99% aller Reports bezahlt sind und keine eigene freie Meinung des Analysten widerspiegeln. Wenn sie das täten würde man z.B. viel mehr Verkaufsempfehlungen sehen. Wir sollten uns darüber im klaren sein, daß wenn ein Thema in der Presse steht und als heisse Idee verkauft wird, dieses Thema ganz sicher kein Geheimtip zum reich werden ist.

P.S.

Wer sich näher über die Materie informieren will, findet hier einige Link Ideen:

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