Oramed Pharmaceuticals Aktien Analyse:

Schlucktabletten gegen Covid19-Mutanten und Diabetes

Key Facts: Gründung 2006, damals Hauptsitz Jerusalem, aktuell in NY USA, CEO Nadal Kidron

Aktie: aktueller Kurs 11,24 USD; Listing an NASDAQ, ISIN US68403P2039

Oramed ist ein pharmazeutisches Unternehmen im Bereich klinischer Entwicklung und ist ein Vorreiter (lt. eigener Darstellung des Unternehmens) auf dem Gebiet der oralen Verabreichungslösungen für Medikamente, die derzeit per Injektion verabreicht werden.

Motivation für die Aktien Analyse von Oramed

Wir alle haben die letzte Zeit bereits satt von den Lockdowns und wollen den Virus hinter uns lassen. Aktuell laufen weltweit diverse Impfprogramme. Einige Länder sind auf einem guten Weg, die anderen noch nicht wirklich.

Vollständig Geimpfte weltweit in %

Unser „reiches“ und hoch entwickeltes Deutschland ist ziemlich langsam im weltweiten Vergleich. Viele weniger gut entwickelte Länder sind viel weiter vorne mit dem Durchimpfen der Bevölkerung. Einige Beispiele anhand des Vergleiches BIP pro Kopf in USD: Deutschland 46.445, Israel 43.592, Chile 14.896, Bahrain 23.503. Sogar das relativ arme Chile ist deutlich weiter vorne. Wenn man behauptet, dass unsere Beamten, Behörden & das System völlig versagt haben ist das noch eine Untertreibung meiner Meinung nach. Auch nach über einem Jahr Corona kriegen sie es nicht auf die Reihe.

Die Herausforderung besteht unter anderem darin, dass man bei einer Impfung eine Spritze verabreichen muss und dadurch geschultes Personal benötigt. Es steigen auch die Kosten und die Wartezeiten. Im Gegensatz könnte man sich mit Corona Tabletten wie mit Paracetamol selber aus der Apotheke versorgen und sich alleine behandeln. Ohne ausufernde und letztlich nur unnötig Kosten verursachende Superbürokratie a la Deutschland. Die oralen Pillen sind vergleichsweise günstig in der Herstellung, bei normalen Temperaturen stabil und lange haltbar und einfach einzunehmen. Das monetäre Potenzial für eine Behandlung von Covid in Tablettenform wäre immens. Menschlich und medizinisch könnte die Tablettenform meiner Meinung nach viele Vorteile bringen.

Ich denke, die Menschheit hätte damit das Impfproblem sehr schnell gelöst, sofern dieser Wirkstoff auch wirkt und zugelassen ist.

Zum Zwecke der Entwicklung von neuartigen oralen Covid-19 Impfstoffen wurde ein Joint Venture gegründet: Oravax Medical Inc.

A single dose of Oravax Medical’s oral vaccine produced a significant antibody response with long-retention in a preclinical in-vivo study. We believe that Oravax Medical’s novel vaccine technology is a strong candidate for protection against COVID-19 and its variants due to triple antigen targeting, easier distribution, and ease of use. We are now in discussions with potential partners for pre-orders of Oravax Medical’s vaccine candidate. 

We believe there is tremendous value to be unlocked through Oravax Medical’s development of a portfolio of oral vaccines for COVID-19 and other infectious diseases.

Oramed Pharmaceuticals Inc. (Letter to Shareholders)

Das gleiche gilt nicht nur für die Bekämpfung von Corona sondern auch für die Behandlung von Diabetes. Diabeteskranke könnten sich dadurch das womöglich lästige Spritzen ersparen (1 von 11 Erwachsenen hat Diabetes). Einige Studien zur Wirksamkeit der oralen Insulinkapseln von Oramed ORMD-0801 findet man hier.

Dieses extremes Potenzial darf meiner Meinung nach nicht unterbewertet werden.

Welche Risiken stecken in Oramed Pharmaceuticals?

Zu den möglichen Risiken gehören:

  • Zeit: mögliche Verzögerungen bei klinischen Studien, Unfähigkeit neue Produkte rechtzeitig zu entwickeln und einzuführen bzw. zu verbessern.
  • Kosten: Finanzierungsrisiken um die Kosten für die Forschung- und Entwicklung sowie Vermarktung zu decken, höhere Kosten für das Endprodukt als erwartet.
  • Gesetz: Schwierigkeiten oder Verzögerungen im Bezug auf behördliche Zulassungen / Patentenschutz der Produkte; Änderung der gesetzlichen Anforderungen.
  • Produkt: keine Wirksamkeit, Nebenwirkungen
  • Wettbewerb: vergleichbare Produkte anderer Pharmaunternehmen, Preisdruck.
  • Viele weitere Risiken die bekannt sind und ebenso unbekannte Risiken. Die unbekannten Risiken sind es, die uns als Anleger das Bein brechen im finanziellen Sinne

Bereits seit den 20er Jahren wird versucht orale Pillen gegen Diabetes zu entwickeln. Die aktuelle Situation schaut folgendermaßen aus (Stand 02.2021).

Wir sehen, dass die Problematik schon alt ist und auch andere Wettbewerber intensiv dabei sind eine Lösung zu entwickeln.

Mit Bezug auf Covid-19 sind diverse Pharma-Unternehmen intensiv mit der Forschung zu oralen Covid Therapien beschäftigt. Pfizer’s orale Pillen gegen den Virus sollten nach Angaben des CEO Albert Bourla gegen Ende des Jahres verfügbar sein. Auch das US-Biotech Moderna arbeitet am gleichen Ziel. Was man allerdings betonen muss, die Impfstoffe von Pfizer und Moderna sind nur auf den „gewöhnlichen“ Virus ausgerichtet. Sie greifen nur das Spike-Protein an (Ein Virus sieht aus wie ein Ball mit den langen „Haaren“, also ein Spike ist eins dieser „Haare“). Das Vakzin von Oramed soll auf gleich 3 Strukturproteine von Sars-CoV-2 gerichtet werden. Somit soll das Medikament auch bei Mutationen helfen. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht lange ein Alleinstellungsmerkmal für die Oramed bleiben würde.

  • Technologie: mangelndes Personal, mangelnde Akzeptanz der Methoden etc.

Einige Forscher sind sehr skeptisch bezüglich der Methode. Die Pillen werden vom Darm aufgenommen und ob dies ausreicht um eine Covid-19 Erkrankung abwehren zu können – das ist die Frage.

Was verdient Oramed?

Hier habe ich einen Auszug aus der Gewinn- und Verlustrechnung vorbereitet (in Mio. USD).

Wie man sieht, die Umsätze finden erst in den letzten fünf Jahren statt. Die größte Position sind die Kosten für Forschung und Entwicklung, was für die Branche nachvollziehbar ist. In den letzten Jahren scheint die Gross Profit Margin enorm zu sein: diese Entwicklung ist aber noch gar nicht nachhaltig, daher lasse ich mich davon nicht beeindrucken.

Laut Bilanz gibts kein Inventar bzw. Property Plant & Equipment erst seit einem Jahr eine Position von 0,2. Die meiste notwendige „Ausrüstung“ wird operativ geleast (Beim operating Lease erscheint die zu bezahlende Summe als Lease-Ausgabe und nicht als Asset). Des Weiteren entwickelt das Unternehmen seine Produkte intern. Es finden keine Übernahmen statt. Das erklärt eine Null-Position im Goodwill. Unter dem Strich sind all diese leeren Positionen begründet, so dass man keine Abschreibungen vornimmt und das EBIT der EBITDA-Kennzahl gleicht.

Abzüglich aller Kosten hatte man bis zum Jahr 2021 ein Minus Geschäft. Um das Jahr 2021 zu beurteilen fehlen noch einige Quartalsberichte.

Cash Cash…

Laut Bilanz 2020 hatte Oramed in der Kasse 19,3 Mio. USD liegen. Woher kam das Geld?

Das operative Geschäft war nur im Jahr 2016 positiv mit +4,7 Mio. Die darauffolgenden Jahre: 2017 mit -5,8; 2018 mit -14,7; 2019 mit -12,9; 2020 mit -12,4.

Laut der letzten Aussage des Managements verfügt Oramed zum April 2021 über 75 Mio. USD in Cash ohne Schulden.

Was für uns Investoren wichtig ist, ist vor allem der Verdienst aus dem operativen Geschäft. Und der schaut leider nicht rosig aus.

Bewertungskennzahlen

Um so niedriger das KGV ist umso besser. In dem Fall eines negativen KGV bedeutet dies, dass das Unternehmen Oramed keine Gewinne macht, was wir oben auch schon besprochen haben. Die Oramed verliert nur Geld.

Charttechnik von Oramed

In seinen „besten“ Zeiten lag der Aktienkurs bei 31,91USD pro Aktie. Der Zwischenboden bei ca 2,60 hat gehalten und seit Oktober 2020 gibt es einen Aufwärtstrend. In der nächsten Zeit könnte eine neue Rally gestartet werden, sofern die Erwartungen erfüllt werden.

Fazit

+ Die Story „Schlucken anstatt Spritzen“ verkauft sich sehr gut. Es ist eine wunderbare Vorstellung die Menschheit zu retten bzw. im Kampf gegen Viren und Diabetes zu helfen.

+ Auch die Aussichten auf die Wirksamkeit gegen die Mutanten machen einen guten Eindruck bei Oramed.

– Die Qualität der Studien macht mir Bedenken. Im Internet findet man nicht so viele von denen, die mich definitiv überzeugen würden. Ein Paar, die ich finden konnte, hatten zu wenige Teilnehmer, die restlichen haben keine Resultate offen gelegt etc.

– Sehr schlechte Earnings Performance bis jetzt. Die letzten Jahren sind die Zahlen besser geworden aber von einem stabilen Geschäft kann noch lange keine Rede sein. Das erinnert an Tesla und andere Unternehmen. Wo die PR & IR Abteilung (oft besteht kein Unterschied) auf Hochtouren arbeiten und tolle Hypestorys verkaufen aber im Geschäft seit Jahren nichts verdient wird und nur Geld verloren wird.
Der Kurs steigt wegen sehr gutem IR Marketing und der Bewunderung für den Vorstand. Wer sich nüchtern die Zahlen betrachtet, macht einen weiten Bogen um diese Art von Unternehmen. Es ist auch eine Mär, dass diese Unternehmen Verluste machen dürfen, da ja die Zukunft gehandelt wird, und das Potenzial so gross ist. Falsch. Eine Intel oder eine Microsoft haben von der ersten Stunde an Geld verdient und haben ständig Milliarden an Investitionen stemmen müssen und es blieben dennoch fast immer Gewinne übrig. Bei TESLA und Oramed sehen wir jährliche Verluste über Jahrzehnte. Eine Intel oder Microsoft waren ebenso ein Pionier der ersten Stunde in ihrer jeweiligen Branche. Branchen, denen die Zukunft gehörte und gehört. Für mich persönlich ist das ein umso grösseres Minus, wenn es ein Unternehmen nicht schafft als Marktführer in einer so tollen Branchen auch nach vielen Jahren immer noch kein Geld zu verdienen. Das es anders geht, zeigen Intel und Microsoft und hunderte anderer Unternehmen, die von der ersten Minute an profitabel waren und bis heute geblieben sind.

– Die Darstellung der Financial Reportings auf der Unternehmens-Website ist schlecht. Man muss schon etwas klicken, um an die benötigten Statements zu kommen.

+ Dafür reagiert die Investor Relations bei den Fragen sehr schnell. Meine Anfrage wurde innerhalb von 30 Minuten beantwortet. Dieser Punkt kann genauso gut negativ bewertet werden. Die haben anscheinend nicht viel zu tun.

Zusammenfassend ist die Aktie sehr gefährlich. Es gibt viele Chancen aber die Risiken sind noch grösser. Das hartverdiente Geld kann in weniger spekulativen Aktien angelegt werden. Oramed verbrennt seit Jahren Geld und hält sich nur durch Kapitalerhöhungen im Jahresrhytmus über Wasser. Es gibt viele dieser Story Unternehmen an der Börse, die nur davon leben und darauf aus sind von den Aktionären und der Börse an sich zu leben und bei denen die Geschäftsentwicklung keine Rolle spielt und auch nicht einmal das erste Ziel ist. In der Technologie, Biotech und Exploration nach Rohstoffenbranche wimmelt es von Storyunternehmen, die im Grunde genommen nichts wert sind. Wer Spielgeld zur Verfügung hat, muss sich jederzeit darauf gefasst machen, einen Kursrutsch auf das alte Niveau von 2,60 US Dollar je Aktie oder darunter zu erleiden. Wozu genau die Tochter in Hong Kong eröffnet wurde ist mir auch ein Rätsel, um weiteres Geld von ausländischen Investoren anzuzapfen ?

Oramed Pharmaceuticals ist in dem Sinne, meiner Meinung nach, nur ein Story & HOFFNUNGS-Unternehmen. Vielleicht ist es ein potenzieller Ten-Bagger, wenn es mit den oralen Pillen gut läuft. Mindestens ebenso gut möglich ist Oramed ein Pleite-Kandidat in den nächsten Jahren. Seit 10 Jahren werden die Sterne versprochen und sie sind immer noch nicht zum greifen nahe.

Keine Anlageberatung!

Investieren auf eigene Verantwortung.

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